Zukunftsweisende Architektur in der Dorfentwicklung

Neue Architekturformen zu finden, die den besonderen landschaftlichen Bedingungen und vor allem der geschichtlichen Entwicklung unserer Dörfer gerecht werden, beinhaltet eine länger währende Auseinandersetzung. Wie können neue Wohngebäude gestalterisch in die vorhandenen dörflichen Strukturen eingefügt werden, welche Materialien und Details geben der Architektur ein zeitgemäßes Erscheinungsbild, ohne dass dabei traditionelle Bilder aufgelöst werden, und wie lassen sich die Bauwilligen für neue Bauformen gewinnen?

Dies sind Fragen, auf die die Referenten, Architektin Marina Hämmerle vom „vorarlberger architektur institut (vai)“ in Dornbirn (Österreich) und der Architekt Stefan Wagner vom Büro Trapp Wagner aus Hünfeld, Antworten während der Fachtagung des Forums „Netzwerk Ländlicher Raum“ der DenkmalAkademie im Schloss Romrod gaben.

Im Bregenzer Wald gibt es schon seit den 60er-Jahren Bestrebungen, mit zukunftsweisender und innovativer Baugestaltung auf die geänderten Anforderungen an zeitgemäßes Wohnen zu reagieren. Architektin Hämmerle berichtet von Projekten, die für die Traditionalisten sicherlich gewöhnungsbedürftig sind, wobei die Idee der neuen Architektursprache darin besteht, sich mit den besonderen Gegebenheiten des Bregenzer Waldes, mit dem besonderen Reiz der Alpenregion und den vorhandenen Siedlungsstrukturen, auseinanderzusetzen.

„Architekten, Handwerker und Hersteller haben es verstanden, ein Netzwerk in der Region aufzubauen, das die Grundlage für eine positive Entwicklung des ländlichen Bauens in Vorarlberg bildet“, so die Dozentin. Das „vorarlberger architektur institut“ bietet als wichtige Einrichtung Hilfestellung durch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit, durch fachliche Hilfestellung und Unterstützung der vielerorts in Vorarlberg eingerichteten Gestaltungsbeiräte, die die Siedlungsplanung und das Bauen in den Dörfern engagiert begleiten.

In der hessischen Rhön ist das Architekturbüro „Trapp Wagner“ zum Thema „Neues dörfliches Bauen“ sehr aktiv. Architekt Wagner berichtet anschaulich mit Projektbeispielen, wie auf die Ansprüche des zeitgemäßen Wohnens Einfluss genommen und mit welchen gestalterischen Mitteln die traditionelle Bauweise interpretiert werden kann.

Wagner und auch Hämmerle betonten, dass ihre Projekte keine Patentlösungen sind, sondern dass jeder Standort für ein Wohngebäude, ob in der Ortslage oder am Ortsrand, einer besonderen Betrachtung bedarf und so jeweils individuelle Lösungen entwickelt werden müssen. „Wichtig ist, dass Harmonie im Ganzen entsteht, die historischen Ortsstrukturen und landschaftlichen Bedingungen berücksichtigt werden“, so waren die Experten sich einig.

Die rund 60 Tagungsteilnehmer waren zum Abschluss der Veranstaltung großen Lobes der gezeigten Architekturprojekte und beteiligten sich engagiert an der kurzweiligen Diskussion.  „Wie werden weitere vergleichbare Veranstaltungen im Forum „Netzwerk Ländlicher Raum“  der DenkmalAkademie durchführen, da hier ein großer Informationsbedarf – bei Architekten und Fachleuten aus der Stadt- und Dorfentwicklung – besteht“, so Projektleiterin Svenja Schroff vom „NLR“ und Moderator Hartmut Kind, die über die große Resonanz erfreut waren.