Streifzug durch die Stadt des Jugendstils

Darmstadt gilt als eine Hochburgen des europäischen Jugendstils. Zu Recht, denn die Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe, 1899 von Großherzog Ernst Ludwig gegründet, hat Eingang in die Baugeschichtsbücher gefunden. Erst kürzlich hat die Stadt beschlossen, sich mit dem baulichen Erbe Joseph Maria Olbrichs und seiner Zeitgenossen um die Aufnahme auf die UNESCO-Welterbeliste zu bewerben. Am letzten April Wochenende trafen sich auf Einladung der DenkmalAkademie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz 20 Jugendstilfreunde zum Seminar in Darmstadt.

Architekturhistorikerin Eva Reinhold-Postina führte sie in einem Vortrag in die Besonderheiten des Darmstädter Stils ein und erläuterte die Situation der Künstlerkolonie im Darmstadt der vorvergangenen Jahrhundertwende. „Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme wurden die Jugendstilkünstler am Woog nicht mit offenen Armen aufgenommen und gefeiert“, so die Dozentin. „Sie blieben, trotz der Unterstützung ihres Gönners, des Großherzogs, eine Randerscheinung und fristeten ihr Künstlerleben weitgehend im buchstäblichen Elfenbeinturm. Nur wenigen von ihnen gelang es, auch Aufträge und Ansehen jenseits der Kolonie zu gewinnen.“

Dem Vortrag schlossen sich ein Besuch des Museums Künstlerkolonie an und anderntags eine Exkursion über Matildenhöhe, Rosenhöhe und das Darmstädter Paulusviertel. Dort erläuterte Seminarleiterin Reinhold-Postina parallele Architekturströmungen in der Zeit zwischen 1900 und dem Ersten Weltkrieg.

Anhand mehrerer denkmalgeschützter Villen stellte sie vor allem das Werk Friedrich Pützers, Alfred Messels, Paul Meißners, Karl Hofmanns und Eugen Seiberts vor. Diese Architekturprofessoren und freien Planer hatten das Baugeschehen zur Zeit der Künstlerkolonie in Darmstadt fest in der Hand. Alle Großbauten der Stadt entstanden nach ihren Entwürfen: Der Hauptbahnhof nach Plänen Friedrich Pützers, das Landesmuseum entwarf Alfred Messel, der zur Zeit der Fertigstellung längst in Berlin arbeitete und mit dem Pergamonmuseum der Nachwelt einen der imposantesten Bauten der Hauptstadt hinterlassen hat.