Historische Grundlagen in der Baudenkmalpflege

„Die Zeit ist wie ein Bild von Mosaik, willst du des Ganzen Art und Sinn verstehen, so musst du´s, aus rechter Ferne sehn.“ (nach Emanuel Geibel)

Das konzipierte Ziel des 2. Wochenkurses war, den Teilnehmern detaillierte Kenntnisse aus verschiedenen Sichtrichtungen die Entwicklung der Architektur, Urbanistik und Kunst für die Denkmalpflege zu vermitteln. Jede gegenwärtige Planung muss die vorgaben der Vergangenheit so in die Zukunft herüberbringen, dass, in Analogie zum vorstehenden Ausspruch von Emanuel Geibel, bei dem Baudenkmal seine Kontinuität erhalten bleibt. 

Aus der Sicht des 21. Jahrhunderts stellten die Dozenten in den Vorlesungen und Stadtbegehungen die Architektur- und Stadtplanungsgeschichte dar. Dr. Ing. Walter May stellte in seinem Vortrag über die Bauformlehre und Stilkunde und Dr.Ing. habil. Matthias Haenchen in seinem Vortrag über die Gebäudetypologie, deren kompakten Verlauf vonder Antike bis zum 20. Jahrhundert dar.

Anschließend erfolgte mit dem Mitarbeiter des Museums, Marius Winzeler, eine fachliche Führung in drei für Görlitz typischen Hallenhäusern. Die bisher erworbenen detaillierten Kenntnisse der Architekturgeschichte, konnten die Teilnehmer durch eine morphologische Analyse an ausgewählten Häusern in Görlitz anwenden. Hierbei gab der Kunsthistoriker und Bauforscher, Arne Franke, eine fundierte Unterstützung.Arch. Christian Nülken stellte am Beispiel der Marienkirche in Frankfurt/O vor, wie man die Kenntnisse aus der Kunst- und Architekturgeschichte bei einer Teilrekonstruktion anwenden und umsetzen kann. Die Stadtplanungsentwicklung und die Problematik der Sanierung einer historischen Stadt, wie auch die Besonderheiten einer Grenzstadt, schilderten Ing. Lutz Penske und Arch. Zbigniew Cebula.

Die Görlitzer und die Zgorzelec Stadtlandschaft so wie deren geplanten Weiterentwicklung als Europastadt wurde auf diversen Plänen demonstriert. Es fehlte auch nicht eine Übersicht vom Rathausturm her. Das die mitteleuropäische Baugeschichte sich nicht ohne äußere Einflüsse entwickelte, darüber referierte Dr. Langenbrinck in seinem Vortrag über die Amerikanismen in der Stadtplanung in den Jahren 1890 bis 1940.

In seinem Vortrag - Einführung in die Bautechnikgeschichte – wies Prof. Dr.-Ing. Werner Lorenz insbesondere darauf hin, dass die Werke der Architektur mit der Bautechnik immer eng verbunden und oft von der Technik abhängig waren. Doch die Bautechnik schaffte auch eigene Werke, die ihren verdienten Platz in der Geschichte gefunden haben. Die Bedeutung der Frei- und Grünflächen in der Geschichte der Architektur- und Stadtplanung, ihre schlichten und bizarren Formen in den verschiedenen Epochen und die durch Planung für diverse Funktionen eingefangene Natur, brachte Prof. Dr. Erika Schmidt den Teilnehmern nahe.

Dr. Sigrid Brand erinnerte in ihrem Vortrag an die sich ständig wechselnden Ansichten in der Geschichte der Denkmalpflege. Den 2. Wochenkurs schloss ein Tag im Tischlergewerk ab. Der Tischlermeisters, Ulrich Haferland, referierte über die historische Entwicklung des Fensters und führte in der Werkstatt die Konservierung eines Fensters an mehreren Beispielen vor. Ergänzend führten Ulrich Haferland und Frank Heppert zur Betrachtung verschiedenen Türen und Fenster durch die Stadt und untersetzten die Führung mit fachlichen Details.